Amphibienwanderung 2017

Die Amphibien sind wieder unterwegs! Am 21.2.2017 sind die diesjährigen Wanderungen offiziell gestartet. In Flein beim Leberbrunnensee, in Untergruppenbach unterhalb der Burg Stettenfels und in Talheim am Frankelbachsee sind unsere Einsatzorte.

Fotos: S.Kielhorn/B.Retter

Radio-Ton war am 20.3.2017 in Talheim vor Ort und hat zwei NABU-Amphibienhelferinnen interviewt. Den Mitschnitt finden Sie hier:

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Kröten sind nicht stumm! Sie haben die Tiere noch nie "live" gehört? Hier finden Sie ein Hörbeispiel:

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Auswertungen der Amphibienpopulationen 2017

Flein, rund um den Leberbrunnensee

Insgesamt wurden 1.135 Erdkröten gezählt, dazu noch etliche Feuersalamander, Grasfrösche, Teichmolche und erfreulicherweise 4 Wechselkröten, eine besonders gefährdete Krötenart. Durch die nächtlichen Straßenfahrverbote konnten die Amphibien ohne größere Verluste die Laichgewässer erreichen.

Untergruppenbach, unterhalb der Burg Stettenfels

Da diese Population seit Jahren zunimmt, wurde in dieser Saison ein Krötenzaun aufgebaut, um die wandernden Tiere vor dem Straßentod zu bewahren. In 2010 wurden 50 Erdkröten gezählt, 2017 konnte ein Rekordergebnis von 651 Tiere notiert werden. Trotz aller Maßnahmen wurden 48 Amphibien überfahren.

 

Talheim, rund um den Frankelbachsee

An unserer größten Einsatzstelle im Landkreis HN konnten 1.969 Erdkröten gezählt werden. Diese Population kann durch unsere Unterstützung ihre Größe halten, was auch den Amphibienleiteinrichtungen zu verdanken sind. Dieses Jahr wurden sie noch erweitert, damit Rückwanderer auch diesen sicheren Weg

laufen können. Außerdem wurde in ein Regenauffangbecken noch eine Amphibienaufstiegshilfe montiert, damit die dort gefangenen Amphibien selbständig herausklettern können.

Amphibienaufstiegshilfe                                                 Erdkröten am Zaun                                            Wechselkröte

Fotos: B. Böhringer-Retter



Impressionen Amphibienschutzaktion 2016

Erdkrötenpaar auf dem Weg zum Ablaichen | Gesammelte Erdkröten, von der Straße gerettet | Feuersalamander, Amphibie des Jahres 2016 | Wechselkröte | Bergmolch  (Alle Fotos: Britta Böhringer-Retter)


Amphibienwanderung 2016 - III

Bereich Untergruppenbach/am Stettenfels

Tote Erdkröte: Die Druckwelle vorbeifahrender Fahrzeuge lässt die inneren Organe platzen. NABU/ Britta Böhringer-Retter
Tote Erdkröte: Die Druckwelle vorbeifahrender Fahrzeuge lässt die inneren Organe platzen. Äußerlich wirken die Tiere oft unversehrt. Foto: NABU/ Britta Böhringer-Retter

Das Laichgewässer befindet sich im eingezäunten Bereich einer Pferdekoppel innerhalb des Geländes des Hofgutes Fritz. Die meisten Amphibien queren die Straße außerhalb des Waldes im Bereich Wiese bzw. Obstplantage und am Waldrand. Es wurden querende Kröten auf der Wiese bis zum Hofgut Fritz festgestellt. Ein größerer Teil der Population kommt aus dem Waldgebiet unterhalb der Obstbaumplantage und muss die Straße auf dem Weg von ihrem Überwinterungsgebiet nicht überqueren. Diese Amphibien sind in den unten genannten Zahlen nicht enthalten.

 

 

Die Wanderung begann so früh wie noch nie. Gleich am ersten warmen Abend wurden so viele Amphibien gefunden wie bis dahin noch nie an einem Tag. Danach erfolgte ein Kälteeinbruch. Der Tagesrekord wurde im Anschluss mehrmals überboten. Es waren mehr als dreimal so viele Amphibien wie im letztjährigen Rekordjahr.

 

Folgende Erdkröten wurden festgestellt:

 

Datum

Männchen

Weibchen

tot

Bemerkung

21.02.

32

 

3

19 bis 20:30 Uhr, trocken, windig, 12°C

22.02.

9

 

 

19:30 bis 20:30 Uhr, Straße gesperrt wegen Straßenbauarbeiten

20.03.

 

 

2

 

21.03.

5

 

 

20 bis 21 Uhr

22.03.

 

 

 

19:30 bis 20 Uhr

23.03.

5

 

 

1 Bergmolch W, 19:30 bis 20:30 Uhr

24.03.

33

1

3

20:30 bis 21:30 Uhr , 8°C, trocken, windstill

25.03.

77

1

1

20:30 bis 22 Uhr, 7°C, nach Regen

26.03.

56

 

25

2

 

3

5

 

1 Grasfrosch, 19:30 bis 21:00 Uhr, 12°C, trocken
22:30 bis 23:30 Uhr

27.03.

25

 

2

1 Teichmolch W, 21 bis 22 Uhr, 8°C, trocken

28.03.

35

1

2

20:30 bis 22 Uhr, 8°C, Regen, windig

29.03.

15

 

2

20:30 bis 21:30 Uhr , 8°C, trocken

30.03.

20

2

 

20:30 bis 22 Uhr, 9°C, nach Regen

31.03.

13

 

1

20:30 bis 21:30 Uhr, 10°C nach Regen, auch Rückwanderer

02.04.

1

 

1

21 bis 21:30 Uhr, 12°C, trocken

03.04.

1

 

 

21 bis 21:30 Uhr, 16°C, trocken

06.04.

 

 

 

21 bis 21:30 Uhr, 13°C, trocken

 

 

 

 

 

Summe

352

10

22

1 Bergmolch W, 1 Teichmolch W, 1 Grasfrosch

 

 

Die Straße querende Amphibien am Stettenfels  –  Überblick:

 

Jahr

Amphibien

gesamt

Davon Erdkröten gesamt (davon weibl.)

Davon überfahrene Amphibien

 

2010

50

50 (7)

25

ohne Beschilderung

2011

51

48 (5)

6

 

2012

15

13 (0)

2

 

2013

27

23 (7)

3

 

2014

83

77 (11)

18

 

2015

110

106 (7)

21

 

2016

387

384 (10)

22

 

 

Volker Koehler

NABU Heilbronn


Amphibienwanderung 2016 - II

Bereich Flein/Leberbrunnensee

Folgende Zahlen wurden für 2016 ermittelt:

 

Leberbrunnensee:

-  639 Erdkröten, davon 554 männliche und 83 weibliche Tiere sowie 2 tote Tiere

-  22 Wechselkröten

-  1 Grasfrosch

-  3 Bergmolche

-  1 Teichmolch

 

Feldweg beim Allmendhölzle:

-  268 Erdkröten,  davon 254 männliche und 11 weibliche Tiere sowie 3 tote Tiere

-  1 Wechselkröte

-  15 Feuersalamander


Britta Böhringer-Retter
NABU HN

 


Amphibienwanderung 2016 - I

Bereich Talheim/Hohrainhof und L 2115 am Frankelbachsee

In diesem Jahr war der Winter so mild, dass die ersten Amphibien am 2.2.2016 entdeckt wurden, so früh wie noch nie nach internen Aufzeichnungen. Ende Februar wurden wieder etliche Amphibien aus der Winterstarre gelockt, da erneut eine warme Witterung einsetzte. Danach war durch einen Kälteeinbruch ein Monat Pause, bis am 22.3.2016 die Wanderung erneut begann und bis Anfang April dauerte. Der Hauptzug war direkt über die Ostertage vom 25.3. bis 28.3.2016.
In diesem Jahr konnten mit acht Helferinnen und Helfern insgesamt 3.522 Erdkröten gezählt werden, glücklicherweise waren keine kranken Tiere darunter.

 

Auf dem Weg zum Hohrainhof, unserer ersten Kontrollstrecke,  wurden 2.395 Bufo bufo eingesammelt, 2.140 männliche und 232 weibliche Tiere. 23 Erdkröten wurden überfahren. Erfreulicherweise wurden auch 8 Wechselkröten und 27 Feuersalamander aufgefunden, sowie einige Teich- und Bergmolche.

Auf der L 2115 wurden trotz bestehender Leiteinrichtung 96 Erdkröten Opfer im Straßenverkehr. Überwiegend waren Rückwanderer betroffen, die an der ungeschützten Stelle auf der L 2115 vom See zu den Weinbergen wollten. An diesem Überquerungspunkt wäre ein eingelassenes Gitter o.ä. zum Auffangen der Tiere notwendig.
Insgesamt konnten auf unserer zweiten Kontrollstrecke 1.127 Bufo bufo aufgelistet  werden, davon 361 männliche und 92 weibliche Exemplare. 526 Tiere wurden ohne Geschlechtsbestimmung  erfasst. Nur wenige Exemplare wurden in den eingegrabenen Eimern aufgefunden. Im Wasserauffangbecken holten wir insgesamt 52 Erdkröten aus ihrem Gefängnis, auch an diesem  Ort sehen wir Handlungsbedarf.

Im Frankelbachsee konnten auffallend wenig Grasfrösche beim Ablaichen beobachtet werden. Mit der Amphibienbeauftragten des LRA HN, Frau Kielhorn, wird an einem vor-Ort-Termin diese Problematik besprochen, um verschiedene Maßnahmen zum Schutz der Amphibien zu besprechen. Welche Maßnahmen umgesetzt werden, wird von der finanziellen und organisatorischen Lage abhängen.

Britta Böhringer-Retter
NABU HN


Amphibienschutz

Zu den bedeutendsten Gefährdungsfaktoren für Amphibien zählen die Zerschneidung und Isolation ihrer Lebensräume. Diese Fragmentierung führt häufig zur Isolation einzelner Populationen.

 

Im Heilbronner Raum – geprägt von dem bundesweit dichtesten Straßen- und Wegenetz sowie einer fortschreitenden, ungezügelten Inanspruchnahme weiter Landschaftsteile für die Ansiedlung von Wohn- und Industriegebieten – sind die Amphibienlebensräume inzwischen soweit fragmentiert, dass ein mittel- oder langfristiges Überleben vieler Populationen nicht mehr gewährleistet ist. Allein im Stadt- und Landkreis Heilbronn sind 78 Amphibienquerungen über klassifizierte Straßen bekannt (Stand 2008). Nur an einem verschwindend geringen Teil wurden stationäre Amphibienschutzeinrichtungen errichtet. An den meisten Straßen versuchen Naturschutzverbände oder Bürgergruppen durch ehrenamtliches Engagement dem Straßentod der Amphibien mit mobilen Schutzzäunen zu begegnen.

 

So auch die NABU-Gruppe Heilbronn. Seit 1980 wurden an insgesamt zehn Straßenabschnitten im Arbeitsgebiet der Gruppe Heilbronn Maßnahmen zum Schutz von Amphibien durchgeführt. Nicht alle zeigten den gewünschten Erfolg. So wurde z.B. die Rettungsaktion am Trappensee im Stadtkreis Heilbronn eingestellt, weil durch „anderweitige Entwicklungen“ – die Zugangswege zum See wurden und werden aktuell verbaut – ein Überleben der einstmals über 2.000-köpfigen Erdkrötenpopulation nicht erreichbar ist. Der Bestand ist im Jahr 2008 auf unter 100 adulte Erdkröten zusammengebrochen.

 

Wenn auch Sie im Amphibienschutz mitarbeiten wollen oder Fragen zum Amphibienschutz haben, erreichen Sie uns unter: NABU Heilbronn, Wolfgang Hellwig, Telefon 07131 162406.

 

Überregionale Informationen finden Sie auch unter www.nabu.de/kroetenwanderung

 

Detaillierte Informationen haben wir zum Download für Sie bereitgestellt:

 

 

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Amphibien-Wanderung_2008.pdf
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Amphibienwanderung 2015 - II

Bereich Untergruppenbach/am Stettenfels

Das Laichgewässer befindet sich im eingezäunten Bereich einer Pferdekoppel innerhalb des Geländes des Hofgutes Fritz.

 

Die meisten Amphibien queren die Straße außerhalb des Waldes im Bereich der Wiese bzw. Obstplantage und am Waldrand. Es wurden querende Kröten auf der Wiese bis zum Hofgut Fritz festgestellt. Ein größerer Teil der Population kommt aus dem Waldgebiet unterhalb der Obstbaumplantage und muss die Straße auf dem Weg von ihrem Überwinterungsgebiet nicht überqueren. 

 

Nach dem Rekordergebnis von 2014 gab es erneut eine deutliche Steigerung. Erstmals wurden mehr als 100 Amphibien nachgewiesen, und zwar sowohl Erdkröten wie auch Molche. Allerdings gab es weniger Erdkröten-Weibchen als im letzten Jahr. Leider hat auch die Zahl der überfahrenen Amphibien zugenommen.


Amphibienwanderung 2015 - I

Bereich Talheim/Hohrainhof

Witterungsbedingt zog sich die Aktion über sechs Wochen hin, vom 8. März bis zum 16. April 2015. Von am Abend milden 8° C und trocken über Sturm und Graupel bei Minusgraden gestaltete sich das Wetter in diesen Wochen sehr unbeständig.

 

Die Erfassung liegt auf zwei Schwerpunkten: der Landesstraße L2115 von Talheim in Richtung Untergruppenbach und auf der Straße von der L2115 abgehend zum Hohrainhof.

 

Bereits im letzten Jahr wurden auf diesen beiden Straßen viele Amphibien tot aufgefunden. Die Leiteinrichtung wurde kontrolliert und nicht beanstandet. Um das Problem einzugrenzen, haben Helfer dieses Jahr den Krötenzaun verlängert und zusätzlich fünf weitere Auffangeimer eingegraben. In den Morgenstunden hat Frau Kielhorn (LRA) die eingegrabenen Eimer kontrolliert, ansonsten waren regelmäßig fünf NABU-Helfer im Einsatz. Zusätzliche Unterstützung kam von NABU-Kindern und Frau Nonnenbroich, einer ortsansässigen Helferin.

Insgesamt wurden an der Landesstraße 593 Individuen gezählt, wovon leider etwa ein Fünftel dem Straßentod zum Opfer fiel. Erfreulicherweise wurden auch vier Wechselkröten aufgefunden.

 

Am zweiten Schwerpunkt, der Straße zum Hohrainhof, waren noch mehr Amphibien unterwegs. Insgesamt erfassten die Helfer über 2000 Erdkröten, davon 17 überfahrene Tiere (die Gesamtzahl liegt allerdings bei etwa 50 Individuen). Ferner wurden auch Berg- und Teichmolche sowie Grasfrösche, Salamander und Wechselkröten gesichtet.

 

Die Erdkröten wurden zum größten Teil von einer unerfahrenen Helferin gezählt, die Schwierigkeiten hatte mit der Unterscheidung männlich/weiblich, so dass das Geschlechterverhältnis der Tiere nicht stimmt.

 

Unerfreulich war, dass eines Nachts das 30er-Zonen-Schild fehlte und bis zum Ende der Aktion kein Ersatz mehr organisiert werden konnte.

 

Außerdem mussten wir kranke Erdkröten beobachten, die an Atemnot litten, sich kaum noch bewegen konnten und kurz darauf verendeten. Sie kamen allesamt aus dem Wald, der Verdacht auf eine Infektion oder eine Vergiftung liegt nahe. 

 

Der Weg wird von Landwirten und Angestellten des Hohrainhofes genutzt, außerdem fahren am Wochenende Besucher und Hofinsassen auf dem Weg. Obwohl die Leitung des Hofes über die Schutzaktion informiert wurde, war sie vielen Fahrern nicht bekannt.

Fazit

Der Hauptzug der Amphibien verläuft vom Wald über den Hohrainhof-Weg zum Frankelbachsee. Dieser Streckenabschnitt ist sehr lang und kann nicht mit Zäunen oder dergleichen geschützt werden. Eine Umleitung oder Sperrung ist auch nicht möglich. So werden wir vermutlich auch nächstes Jahr den Abschnitt betreuen müssen, um die ungefährdete Überquerung der Tiere gewährleisten zu können.

 

Der Abschnitt an der Landesstraße gestaltet sich schwierig: Trotz verlängertem Schutzzaun wurden viele Tiere überfahren bzw. überquerten an ungesicherten Stellen die Straße. Auch zahlreiche Rückwanderer fielen dem Straßenverkehr zum Opfer, da für diese Amphibien keine Schutzmaßnahme vorhanden ist. 

 

Eine verlängerte Leiteinrichtung in beide Richtungen und auf beiden Straßenseiten erscheint uns daher sinnvoll.