VÖGEL IN NOT

Erste Hilfe für verletzte Vögel und Aufpäppeln von verlassenen Jungvögeln

Wenn ein Vogel verletzt ist oder Jungvögel zu früh das Nest verlassen haben, stellt sich immer die Frage "Was nun?" Die NABU Gruppe Heilbronn hilft ganz praktisch, nimmt die Vögel auf und pflegt sie, bis sie wieder in die Natur entlassen werden können.

 

Seit Ende März 2017 bis jetzt sind 115 Vögel  zu mir gebracht worden, in erster Linie Singvögel, aber auch Rabenvögel und Tauben. Die meisten davon sind noch sehr klein gewesen, die aus verschiedenen Gründen aus dem Nest gefallen oder entnommen wurden. Aber auch verletzte,  v.a. durch Katzenbisse, oder verunglückte , v.a. durch Kollision mit Autos oder Scheiben, wurden gepflegt. Die meisten Vögel konnten glücklicherweise wieder gesund ausgewildert werden.

Fotos: B.Böhringer-Retter

Unter den Singvögeln waren unter anderem Rauch- und Mehlschwalben, Wachholderdrosseln, Amseln, Kohlmeisen, Buchfinken, Mauersegler, verschiedene Taubenarten und Rabenvögel.

Ein Star:

vom Baby zum ausgewachsenen Vogel dauert es etwa 3 Wochen, in denen er von morgens bis abends stündlich gefüttert werden muss ! Sobald er alleine fressen kann, kommt er in eine Freiflugvoliere, damit fliegen geübt werden kann. Nach weiteren eineinhalb Wochen wird die Voliere geöffnet, jetzt muss er üben sein Futter alleine zu suchen. Damit diese Phase nicht schief läuft, wir weiterhin gefüttert. Nach einigen Tagen kommt er immer seltener, um Futter zu holen, bis er eines Tages selbständig ist.

Fotos.B.Böhringer-Retter

Weitere Findelkinder werden an dafür spezialisierte Stellen übergeben:

zum Beispiel  Wasservögel , Eichhörnchen, Greifvögel und Fledermäuse.

Baby-Wildente

                                                         Zwergfledermaus

                                                                                                                                   junger Turmfalke

                                                                                                                                                                                              Fotos: B.Böhringer-Retter

 

Greifvögel:                      Greifvogelstation in Bad Friedrichshall

Eichhörnchen:              Notruf für Eichhörnchen

Igel:                                    Igel-Connection in Schwaigern 

 


Mauersegler verlassen überhitzte Nester

Junge Mauersegler in einem Nistkasten
Junge Mauersegler in einem Nistkasten im Kirchturm der Johanneskirche in Untergruppenbach Foto: Volker Koehler

Beim NABU Heilbronn gingen 2015 viele Hinweise ein, dass Jungvögel aufgrund der Hitze aus ihren Nester geflüchtet sind. Insbesondere Mauersegler verlassen ihre überhitzten Nester und stürzen in die Tiefe.

 

 

Der NABU weist auf folgende Sofortmaßnahmen hin:

  • Die noch nicht flugfähigen Jungvögel sind meist überhitzt. Sie sollten vorsichtig tropfenweise mit Wasser versorgt werden.
  • Der Jungvogel sollte auf ein Frotteehandtuch in einen Karton gesetzt werden, damit er nicht Opfer einer Katze wird und sich erholen kann.
  • Wenden Sie sich an den nächsten Tierarzt.
  • Mauersegler niemals in die Luft werfen.
  • Meist hat es wenig Sinn, abgestürzte Jungsegler in ihre Nester zurück zu setzen.

Ausführliche Hinweise finden sich unter www.mauersegler.com

 

vk 


Im Kirchturm ist was los

Mauersegler, Dohlen und Stare brüten

Zwei junge Dohlen im Kirchturm
Zwei junge Dohlen im Kirchturm. Foto: Volker Koehler

Nicht nur in der Johanneskirche in Untergruppenbach ist was los. Auch im Kirchturm oberhalb der Kirchenglocken tut sich was. Denn bei Mauerseglern, Dohlen und Staren gibt es Nachwuchs in den Nistkästen. Die Jungvögel sind ständig hungrig.

 

Mauersegler brüten erst seit 2013 im Turm der Johanneskirche in Untergruppenbach. Neun Eier in drei Nistkästen sind das Ergebnis in diesem Jahr. Mauersegler erinnern in ihren Verhalten an Schwalben, sind aber größer und mit diesen nicht verwandt. Sie sind optimal an das Leben in der Luft angepasst und schlafen sogar in der Luft. Sie sind nur von Ende April bis Ende Juli bei uns und überwintern im südlichen Afrika.

 

Dohlen haben schon zehn Jahre länger Unterschlupf im Kirchturm gefunden. Im Jahr 2015 wurden sechs Nester besetzt, doppelt so viele wie im Vorjahr, mit zusammen 21 Jungvögeln. Die Rabenvögel haben ein überwiegend schwärzliches Gefieder mit einem grauen Nacken und kurzem Schnabel. Sie sind ganzjährig bei uns und fallen durch ihre akrobatischen Flugmanöver rund um den Kirchturm auf. Nach Nahrung suchend sind sie auch auf den umliegenden Feldern zu sehen. 

 

Einen weiteren Nistkasten hatte ein Starenpaar in Beschlag genommen. Es war damit beschäftigt, vier Jungvögel satt zu bekommen. vk 


Schwalbenpfütze am Trappensee

Schwalbenpfütze
Links: Die NABU-Mitglieder verfüllen die Mulde über der Teichfolie mit Lehm. Rechts: Die fertige Schwalbenpfütze wird mit Wasser gefüllt. Fotos: Volker Koehler

Rauchschwalben leben in Kuh- oder Pferdeställen. Ihr napfförmiges Nest bauen sie aus Lehm. Die einzige Rauchschwalbenkolonie in Heilbronn befindet sich in den Reitställen am Heilbronner Trappensee.

Die NABU-Vorsitzende Britta Böhringer-Retter hat festgestellt, dass die Nester in den Reitställen oft herunterfielen, weil der Lehm mit Sand vermischt und wenig haltbar war. So entstand die Idee, eine Schwalbenpfütze mit Lößlehm zu erstellen, um den Rauchschwalben Baumaterial anzubieten. Zum Glück war Beate Engelhardt, die Vorsitzende des Reitervereins am Trappensee, sofort einverstanden. "Wir sind sehr froh über unsere Schwalben, weil wir dank ihnen viel weniger Fliegen in den Ställen haben", meinte sie und stellte auf ihrem Gelände eine geeignete Fläche zur Verfügung.

 

Die NABU-Gruppe traf sich zum Arbeitseinsatz. Mittels einer Teichfolie entstand eine Mulde, die mit Lehm verfüllt wurde und von nun an feucht gehalten werden soll. Nach ihrer Rückkehr aus dem Winterquartier im südlichen Afrika finden die Schwalben nun geeignetes Baumaterial vor.


Ein Platz für Mauersegler

Mauerseglerkästen
Neue Mauerseglerkästen entstanden beim Renovieren des Amtsgerichts in Heilbronn. Foto: Christoph Armbruster

Beim Renovieren des Amtsgerichts-Gebäudes in der Wilhelmstraße in Heilbronn entstanden neun neue Appartements für Mauersegler. Die Kästen wurden in die Wärmeschutzisolierung unter dem Dach des Gebäudes integriert. Die Idee für diese Aktion hatte Wolf-Dieter Riexinger von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Heilbronn. Werden doch Brutplätze an unverputzen Fassaden für die eleganten Vögel in der Stadt immer seltener.

 

In einer Gemeinschaftsaktion finanzierten die NABU-Gruppe Heilbronn und der Bauträger Vermögen und Bau Baden-Württemberg drei Mauerseglerkästen, die jeweils drei Brutplätze haben. Christoph Armbruster vom NABU hofft, dass die Mauersegler die Kästen nach ihrer Rückkehr vom Winterquartier in Afrika Ende April gleich finden. Mauersegler verbringen ihr ganzes Leben in der Luft, selbst zum Schlafen. Nur zum Brüten landen sie.  vk 


Aktion Schwalbenschutz

Frau Trefz' Patenkind freut sich ebenfalls über die Plakette.
Frau Trefz' Patenkind freut sich ebenfalls über die Plakette.

Noch kennt sie jeder: die akrobatischen Flugkünstler, die das Ende des Winters verkünden. Mehl- und Rauchschwalben haben sich als sogenannte ‚Kulturfolger‘ an eine von Menschen geprägte Umgebung angepasst. Doch inzwischen sind sie trotz ihrer Anpassung zu Sorgenkindern des Naturschutzes geworden. Die Intensivierung der Landwirtschaft, zunehmende Hygieneanforderungen und die starke Versiegelung der Landschaftsflächen machen ihnen zu schaffen. Von 2012 auf 2013 wurden 20% weniger Schwalben gezählt! Die gezielte Anbringung von Kunstnestern an geeigneten Häusern kann hier Abhilfe schaffen.

 

Die NABU Gruppe Heilbronn hat seit 2013 deshalb einen ihrer Schwerpunkte auf den Schwalbenschutz gelegt. Ausgebildete Schwalbenbetreuer kartieren in allen Stadtteilen und Ortschaften südlich von Heilbronn die vorhandenen Nester, beraten und informieren Hausbesitzer.  

 

Am letzten Freitag Mittag war es soweit: Drei Schwalbennisthilfen konnten mithilfe eines Hubsteigers der Firma ZEAG an die Hausfassade der ehemaligen Apotheke Trefz in Horkheim angebracht werden. Unter einem strahlend blauen Vorfrühlingshimmel wurde dafür gesorgt, dass die aus Afrika kommenden Mehlschwalben Ende April/Anfang Mai fertige Behausungen vorfinden.

 

Apropos: Ihren Namen verdankt die Mehlschwalbe ihrer reinweißen Unterseite, sprichwörtlich als hätte sie im Mehl gesessen. Rauchschwalben dagegen haben eine rotbraune Gesichtsmaske,  auffällig lange Schwanzspieße und  brüten im Inneren von Gebäuden, bevorzugt in Ställen.

 

Auf das Sprichwort hoffend „ Wenn Schwalben am Haus brüten, geht das Glück nicht verloren“  hat Frau Trefz ihre Fassade zur Verfügung gestellt und ist mit einer Plakette  „Schwalbenfreundliches Haus“ ausgezeichnet worden. 

 


Ergebnis der Kormoran-Zählungen 2013/2014 liegt vor

Im Januar mehr, im November und März weniger Kormorane – 46 Abschüsse

Das Ergebnis der Kormoran-Synchronzählungen im Stadt- und Landkreis Heilbronn liegt vor. Bereits seit elf Jahren zählen die Naturschützer regelmäßig an drei Tagen im November, Januar und März bei Einbruch der Dunkelheit an allen bekannten Schlafplätzen. Wolfgang Hellwig stellt das Ergebnis der ornithologischen Arbeitsgemeinschaft (OAG) vor, unterstützt vor den Naturschutzverbänden NABU und BUND. Insgesamt 26 Personen waren an den Zählungen in dieser Saison beteiligt.

 

Während die Naturschützer im Januar mehr Kormorane als im Vorjahr an Neckar und Kocher sowie einigen Seen zählten (334, 2013: 318), waren es an den beiden anderen Terminen deutlich weniger: im vergangenen November 117 Exemplare (2012: 153) und im März 153 (2013: 187). Hellwig findet eine Erklärung dazu aufgrund der Wetterlage. Der vergangene Herbst war nass und wechselhaft. Der Zuflug aus dem Norden erfolgte später als üblich. Das Frühjahr war zu warm und zu trocken, so dass sich die überwinternden Kormorane frühzeitiger auf den Weg Richtung Norden aufmachten.

 

Weitaus am meisten Kormorane überwinterten im Naturschutzgebiet Kirchheimer Wasen außerhalb des Landkreises Heilbronn (214, 2013: 218). Um das Ergebnis möglichst realistisch zu gestalten, sind die bekannten Randbereiche in den Landkreisen Ludwigsburg, Neckar-Odenwald und Hohenlohe aber in den genannten Zahlen enthalten. Streng an den Grenzen des Stadt- und Landkreises Heilbronn gerechnet wären es maximal nur 55 Kormorane gewesen (2012/13: 60).

 

Mit der Methode der Schlafplatzzählungen soll vermieden werden, ein und dieselben Kormorane am selben Tag an verschiedenen Standorten zu zählen. Tagsüber verhalten sich die Wasservögel nämlich sehr mobil und fliegen zu unterschiedlichen Nahrungsgründen. Nach Einbruch der Dämmerung bleiben sie dagegen auf den einmal aufgesuchten Schlafbäumen.

 

Im Winterhalbjahr wurden im Stadtkreis Heilbronn vier und im Landkreis 42 Kormorane nach Angaben der unteren Naturschutzbehörden abgeschossen, neudeutsch beschönigend „vergrämt“. Die Angaben der Jäger sorgten bei den Naturschützern für Irritationen und waren teilweise nicht nachvollziehbar. So handelt es sich bei dem von den Jägern angegebenen Abschussort „Schleuse Horkheim“ um ein befriedetes Gebiet und wären dort gar nicht zulässig. Der von den Jäger angegebene Vergrämungsort „Kläranlage Lauffen“ ist aus Sicht der Naturschützer noch in anderen Hinsicht bedenklich. Wurde in den vergangenen Jahren eine größere Graureiherkolonie auf der Falterinsel gegenüber der Kläranlage Lauffen beobachtet, brüteten dort in diesem Frühjahr nur noch zwei Graureiherpaare. Es ist davon auszugehen, dass die massiven Vergrämungsmaßnahmen zur Aufgabe der übrigen Nester führten. „Da auf der Falterinsel weitere geschützte Vogelarten brüten, sollte schnellstmöglich ein Schutzkorridor um die Insel festgelegt werden, in dem Vergrämungen nicht zugelassen werden“, so Hellwig.   vk

 

Bei Rückfragen:

Wolfgang Hellwig, Telefon 07131 162406 


Blick auf Kernbeißer und Goldhähnchen

Neue Tafel am Ehrenfriedhof zeigt 50 Vogelarten, die auf Streuobstwiesen und im Köpferwald heimisch sind

Mehr Interesse für die Vogelwelt
Die NABU-Aktiven Helmut Lang, Christoph Armbruster, Werner Kressmann und Karl Strobel (v. l.) wollen mehr Interesse für die Vogelwelt wecken. Foto: Andreas Veigel

Heilbronn – Amsel, Kohlmeise und Buchfink kennt jeder. Bei den weniger häufigen Vogelarten müssen die meisten jedoch passen. Wer wissen möchte, wie Wintergoldhähnchen, Kernbeißer oder Mittelspecht aussehen, kann zumindest beim Spaziergang im Heilbronner Köpferwald das Bestimmungsbuch zu Hause lassen. Die NABU-Gruppe Heilbronn hat auf einer Streuobstwiese beim Ehrenfriedhof an der Arndtstraße eine Tafel angebracht, die 50 heimische Vogelarten zeigt.

 

Seit drei Jahren steht dort eine in Zusammenarbeit mit der Johann-Jakob-Widmann-Schule gebaute Insektennistwand, die noch Platz bot. Die alten Vogelkundetafeln am Waldlehrpfad sind zudem längst marode. Und weil dort inzwischen eine Vogelstimmenuhr hängt, habe man sich für den gut frequentierten Ausgangspunkt für Spaziergänge im Stadtwald am Ehrenfriedhof entschieden, berichtet NABU-Vorsitzender Karl Strobel.

 

Rotkehlchen, Tannenmeise oder Kleiber sind Jahresvögel, die Gartengrasmücke ist ein Zugvogel. Wacholderdrosseln kommen als Wintergäste. Die Tafel gibt Auskunft, welcher Vogel wann zu beobachten ist. Die Monate, in denen Bäume ohne Laub sind, eignen sich besonders gut. „Es gibt bei uns mehr Vögel als man denkt“, betont Strobel.

 

Das Interesse an der Vogelwelt vor der Haustüre wecken, ist dem NABU auch mit einer Reihe von vogelkundlichen Führungen ein Anliegen. Los geht es am 10. April in Ilsfeld-Auenstein. „Birds and breakfast“ im Köpfertal (17. April) richtet sich an Frühaufsteher. Hauptfriedhof, Schozachtal und Waldheide sind weitere Ziele für die Exkursionen mit den NABU-Vogelkundlern. Bei der Reihe Treffpunkt Natur ist voraussichtlich am 5. Februar eine Führung zu Wintervögeln geplant.

 

Auf den Vogel des Jahres 2011, den Gartenrotschwanz, müssen Vogelinteressierte noch warten. Der Zugvogel kehrt erst im April aus seinem Winterquartier in Afrika zurück − und muss sich auf die immer schwieriger werdende Suche nach Nisthöhlen in alten Obstbäumen oder Schuppen machen.

 

Vom 6. bis 9. Januar ruft der NABU zur Wintervogelzählung auf. Den Informationsflyer mit Meldebogen gibt es in Heilbronn bei Seifen Reinhardt, Bismarckstraße 72/2. Informationen im Internet unter www.stundederwintervoegel.de

 

Heilbronner Stimme, 05.01.2011, von Bärbel Kistner